Ja, so ein Naturschauspiel kann durchaus in faszinierender Weise den Kick-Off zu einer neuen Leidenschaft herstellen. Schade, daß ich 150 km entfernt vom Kernschatten inmitten stärkster Bewölkung rein gar nichts davon erleben durfte...
Jetzt erst recht! - Fortan wurde der Abendhimmel mit dem uralten 7x50 Fernglas abgegrast. Seltsam, daß ich nie auf den Gedanken kam, daß bereits ein Fernglas den Blick in eine neue Welt ermöglicht: Das menschliche Auge mag ja in vielerlei Hinsicht ein perfektes Instrument sein, aber ich glaube, der erste Anblick der Plejaden im Feldstecher läßt keinen Zweifel aufkommen.
Nun, das erste Teleskop ließ nicht lange auf sich warten: die Leihgabe meines älteren Bruders, ein Aldi/Tchibo- Teleskop (ein Reflektor mit 76 mm Öffnung und 700 mm Brennweite) war imstande, zum erstenmal die Schönheit mit eigenen Augen zu erleben: Saturn mit seinen Ringen, Jupiter mit seinen Wolkenbändern, der Andromedanebel, der Orionnebel usw.
Mit
Hilfe der Newsgroup news://de.sci.astronomie konnte ich
schnell eine Menge Wissen und andere interessante Erfahrungen
erlangen :-)
Aber ein bißchen Lesen schadet natürlich auch nicht.
Astronomiebücher gibt es ja wie Sand am Meer.
=> Wer die Wahl hat, hat die
Qual
Das erste Equipment
Nach Kauf eines brauchbaren 11x56 Fernglases => Bresser Jagd reifte der Entschluß, ein 'richtiges' Teleskop anzuschaffen. Im November '99 war es dann soweit: Ein Bresser Polaris Refraktor mit Durchmesser 102 mm und 1000 mm Brennweite wurde das Geschenk für Gerald, der sich für seinen 8. Geburtstag unbedingt ein Teleskop gewünscht hat. Völlig uneigennützig habe ich diesen Kindheitstraum unterstützt... ;-)
Objektivdurchmesser | 102 mm |
Brennweite | 1000 mm |
Öffnung | 1:10 |
Theoret. Auflösung | 1.38" |
Größenklasse | 13 mag |
Montierung | EQ5 |
Voller Freude über das große schwarze Ding weiß Gerald, daß seine drei Geschwister natürlich auch mal durchgucken dürfen. Um die Wartezeiten erträglich zu halten, gibt es Nummern zum ziehen. |
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102
mm Fraunhofer Achromat mit Taukappe |
Sucher 6x30, dank cleverer Justierung auch 'Finder' genannt | Die neue, leicht optimierte EQ5 Montierung | Großer 2"- Okularauszug mit Adapter u. 1 1/4 " Zenitprisma |
Nach kurzer Testphase fällt zunächst ein sonderbar klebriges Fett auf, dessen Bekanntschaft man zuerst am Fokussiertrieb des Okularauszugs macht. Nächster Negativ-Effekt bemerkt man während einer kalten Beobachtungsnacht, in der die steil ansteigende Viskosität des Fettes die Schneckentriebe extrem schwergängig macht. Spätestens hier ist Abhilfe angesagt, um zukünftig mit einer brauchbaren Mechanik hantieren zu können.
=> Zerlegung der RA u. DEC- Schneckentriebe
Die 1. Fotos
Das Fotografieren u. damit Dokumentieren von Planeten, Nebeln, Galaxien u. anderen Himmelsereignissen wird über kurz oder lang sicher jeden Hobbyastronomen reizen.
Ohne zusätzliches Equipment für Fokal- oder Okularprojektion habe ich mal spaßeshalber die Spiegelreflex mit dem 90mm Objektiv vor das 25 mm Okular gehalten:
Unschwer
zu erkennen - der Saturn. Ich muß nicht extra anmerken, daß der
visuelle Blick um Größenordnungen besser ist. Die
Belichtungszeit betrug etwa 2-3 s, die Blende war 3.5. Da das
Foto im Labor total überbelichtet wurde, mußte mit Software
etwas korrigiert werden.
Ach ja, verwendet wurde Agfa APX 400 / sw
Rechts das Bild habe ich mit Spiegelreflexkamera u. 90 mm Objektiv auf einem Stativ geschossen. Ohne Nachführung werden die Sterne bei ca. 15 s Belichtung leicht länglich. Der Ausschnitt aus dem Sternbild Orion, eines der schönsten wie ich finde, zeigt unterhalb der 3 Gürtelsterne den Orionnebel M42 (unterer Bildrand, rechts)Auch hier wurde wegen schlechter Leistung des Fotolabors digital nachgeholfen. |
Demnächst mehr...
... hat ein bißchen gedauert, aber heute ist demnächst => 02.06.2000
Zwischenzeitlich war das Wetter entweder besch...en, oder der Geist war schwach. In den wenigen Momenten, wo alle Parameter positives Vorzeichen hatten, gelangen einige Aufnahmen. Gelungen ist zwar nicht der richtige Ausdruck, aber man sollte bescheiden die kleinen Fortschritte dokumentieren. Nur so gelingt es, die Veränderungen über der Zeit gesehen, festzuhalten
Hier also zunächst eine neues Bildchen vom Sternbild Orion. Diesmal als Piggy-Back-Foto mit dem 90mm Objektiv.
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Nach wie vor bin ich begeistert von diesem Wintersternbild. Mit der Nachführung über eine Minute kann man schon eine recht gute Vorstellung vom Orionnebel M42 gewinnen. Die Farbe im Bild ist rötlich - anders so der Karkoschka, der von blau-grün schreibt.
Hier
einige Daten: |
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Für den Herbst 2000 habe ich mir vorgenommen, M42 ein wenig näher zu Leibe zu rücken. Vom Bild oben mal eine Auschnittsvergrößerung. Für 1 Minute Belichtungszeit mit der Spiegelreflexkamera vom Balkon aus ergibt sich schon ansatzweise die Nebelstruktur. Im nächsten Step wird das ganze mit dem 300 mm Tele u. anschließend mit Fokalprojektion probiert. |
Weitere dankbare Objekte sind natürlich Planeten bzw. unser Mond. Auch hier will ich anhand zweier Beispiele zeigen, daß man zur Not auch mit dem Foto durch's Okular aufnehmen kann.
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Unscharf, aber erkennbar ist das Mare Crisium mit darüberliegendem Krater Cleomedes. Aufgenommen am 23.01.2000, d.h. 17 Tage alter Mond. Die Vergößerung betrug 40-fach. Objektiv 90 mm / Blende 8. Die Belichtungszeit für den 1000 ASA-Film war mit ca. 0.75 s etwas zu lang. | Diese Aufnahme entstand am 12.02.2000. Hier wurde der 7 Tage alte Mond ca. 1 s belichtet, bzw. besser gesagt überbelichtet. Wiederum mit der Kamera (50mm Objektiv, Blende 4) auf separatem Stativ durch das Okular mit 40-facher Vergrößerung projiziert. Am Terminator sind zahlreiche beeindruckende Krater erkennbar. |
Die Schärfe ist nicht so brilliant wie gedacht. Dies hängt mit der schwierigen Fokussierung zusammen, wenn man eine Standard-Spiegelreflexkamera verwendet, die üblicherweise eine trübe Mattscheibe hat. Trotzdem bin ich recht zufrieden mit dem Ergebnis.
Mehr bzw. besserer Resultate erhoffe ich von dem neuen Vixen LVW 8mm Okular. Dieses konnte ich auf der ATT in Essen am 06.05.2000 recht günstig erstehen.
Für meine derzeitige Art der Okularfotografie bietet das LVW natürlich hervorragende Voraussetzungen aufgrund des großen Augenabstandes u. dem phantastischen scheinbarem Gesichtsfeld von 65°.
Um mal einen Eindruck vom Größenvergleich zwischen dem LVW, einem 10 mm Plössl u. dem 25 mm original Bresser Kellner zu bekommen, siehe nachfolgendes Bild:
Mit diesem Riesenbomber dürfte so manches Teleskop bzw. Montierung hoffnungslos überfordert sein beim Okularwechsel. Zum einen wegen der Stabilität an sich und zweitens wegen der Ausbalanzierung. - Andererseits kann ich nur sagen, daß ein Mondspaziergang damit zur wahren Freude wird. Missen möchte ich dieses Okular auf gar keinen Fall mehr.
Stets auf der Suche nach neuen Objekten u. Methoden versuche ich, verschiedene Techniken auszuprobieren.
Nachfolgende Tabelle soll das ganze etwas übersichtlicher gestalten. Wird demnächst in Betrieb genommen...